Respekttag

Respekt beginnt mit Verständnis

Wie fühlt sich der Alltag mit einer Behinderung an? Und wie können wir einander mit mehr Respekt begegnen?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich die sechste Jahrgangsstufe des Gymnasiums Ergolding bei einem Aktionstag in der vergangenen Woche.

Zu Beginn setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit den Herausforderungen auseinander, die verschiedene Behinderungen im Alltag mit sich bringen können. Dazu war erneut Frau Elke Ehegartner an die Schule gekommen, die bereits in den vergangenen beiden Jahren von ihren Erfahrungen mit einer Sehbehinderung berichtet hatte. Die zahlreichen Fragen der Kinder zeigten ihr großes Interesse. Im Gespräch wurde deutlich, dass eine Behinderung nicht zwangsläufig bedeutet, unselbstständig oder unglücklich zu sein. Auch mit einer Behinderung ist ein glückliches und selbstbestimmtes Leben möglich. Entscheidend ist dabei auch der respektvolle Umgang miteinander. Frau Ehegartner berichtete zudem, dass ihr im Alltag überdurchschnittlich viele junge Menschen Hilfe anböten.

Im Anschluss konnten die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Workshops selbst erfahren, welche Herausforderungen bestimmte Alltagssituationen mit sich bringen können. Mit verbundenen Augen probierten sie aus, mit dem Blindenstock zu gehen sowie Geld und Kleidungsstücke zu erkennen. Sie versuchten, Buchstaben der Brailleschrift zu lesen, und lernten erste Gesten der Gebärdensprache kennen. Auch die Herausforderungen bei Gehbehinderungen wurden thematisiert: Die Behindertenbeauftragte des Landkreises Landshut, Frau Linda Pilz, organisierte gemeinsam mit Herrn Willi Gröger einen Rollstuhlparcours. Außerdem erfuhren die Kinder, welche Schwierigkeiten bei der Planung eines Ausflugs mit öffentlichen Verkehrsmitteln für Menschen im Rollstuhl entstehen können.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf einem respektvollen Sprachgebrauch. Frau Pilz sensibilisierte die Schülerinnen und Schüler dafür, dass Bezeichnungen für Behinderungen, wenn sie als Schimpfwörter verwendet werden, für Betroffene sehr verletzend sein können. Ebenso wichtig ist es, Menschen nicht auf ihre Einschränkung oder Besonderheit zu reduzieren und eine Behinderung nicht pauschal als Belastung zu betrachten. Vielmehr sollte der Blick darauf gerichtet sein, was Menschen erreichen und leisten können – mit ihrer Behinderung, nicht „trotz“ dieser.

Respekt und ein gutes Miteinander gehen alle an. Deshalb beschäftigten sich die Klassen abschließend mit verschiedenen Spielen und Gesprächen rund um Gemeinschaft, Gewaltprävention und den Umgang mit Mobbing. So wurde deutlich: Ein respektvolles Miteinander ist nicht nur im Umgang mit Menschen mit Behinderung wichtig, sondern im täglichen Zusammenleben von uns allen.

Eva Strauß, StRin